4. Februar 2011

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Sünden der Kindheit

First of all: es handelt sich nicht um eine Sünde die ich begangen habe. GANZ so blöd war ich dann doch nicht. Aber ein Freund türkischer Abstammung hat sein Hirn vom lieben Gott (oder Allah?) erst so um die Pubertät geschickt bekommen. Um seine Identität zu schützen – und glaubt mir, es ist nötig – benutzen wir wie immer nen Fake-Name. Der beste türkische Name den ich  bisher gehört habe ist Gökman. Weils wie ein Superheld klingt. So nennen wir ihn.

Süße 13 Jahre, grad 3 Haare am Sack und vollkommen ohne Sinn für Recht und Unrecht begibt sich Gökman ins Web 0.5(?) in einen der damals so beliebten Chatrooms. Normalerweise wohnhaft in Deutschland, befand sich Gökmen zu diesem Zeitpunkt in der Türkei. Keine Ahnung wieso. Chillout, Weihnachten, Dönerbusiness – kein Plan. Jedenfalls loggte er sich voller Unwissenheit mit seinem in Deutschland erstellten Account ein und postete – was sonst? –  rechtsradikale Parolen.

Jetzt mal abgesehen davon wie dumm, unsinnig und vollkommen behindert das ist, ist es viel lustiger was unsren Ordnungshütern passiert. Natürlich wird er erwischt. Dank seinem Login finden die Behörden seinen Wohnort raus und stehen paar Wochen später in Deutschland vor seiner Türe.

Bitte bitte bitte, stellt euch das bildlich vor. Zwei bis Fünf Polizisten müssen wegen rechtsradikalem Content im Internet einen Hausbesuch machen. Sie klingeln an nem Haus auf deren Klingel n paar ü’s stehen – was ja schon auf orientalische Herkunft schließen lässt. Sie erwarten ne Glatze oder nen alten Typen in Lederjacke und 88er Tattoo oder so. Vielleicht noch bissle Schreierei, nen Charly-Chaplin-Bart oder n Schäferhund mit Hakenkreuzrasur… ach was weiß denn ich wie die Nazis damals aussahen.
Und wer öffnet die Tür? Ne kleine, dunkle Frau mit Kopftuch und Döner in der Hand. Bei dem Gedanken piss ich mir in die Hose vor lachen. Was glaubt ihr was die Polizisten in dem Moment denken? “Ähh… Grüß Gott Frau Üzlbrüzl*, ähh… ja ich glaub wir haben das falsche Haus erwischt ähh… kann das ma einer checken?“.
Natürlich kam Gökman nicht einfach so davon. Mit 13 Jahren war er zwar noch nicht strafmündig aber Stress gabs trotzdem. Er hatte schließlich noch nen Vater der davon nicht begeistert gewesen sein dürfte. Ich kenne keine Details,  aber ich nehme an er musste n paarmal folgende Frage beantworten: “What did the five fingers say to the face?“. Ich hätte ihn paar Tage beim NPD-Fraktionshaus abgegeben damit er seine “Freunde” kennenlernt. Die freuen sich bestimmt über internationale Unterstützung.
Sein American History X- ReLiving war damit jedenfalls beendet. Und seine Superhelden-Karriere auch.

*Üzlbrüzl ist tatsächlich der Name eines Dönerladens in Stuttgart und wegen Türkei-Döner Witzen braucht ihr mich garnicht erst anmachen. Ich muss mir auch den ganzen Tag Inderwitze anhören.

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